Лекція з історії німецької мови

на тему:

Mittelhochdeutsch

1. Zeitliche und raeumliche Gliederung.

Die mhd. Zeitperiode dauerte von ? 1050 bis ? 1350. Diese Epoche ist ein
Wendepunkt nicht nur in der Entwicklung der Geschichte Deutschlands,
sondern ganz Europas. Das ist der Hoehepunkt in der Entwicklung des
Feudalsystems.

In dieser Zeit unterscheidet man 2 Hauptkassen: Feudalherren und
leibeigene Bauern. Die Aristokratie und das Rittertum bilden sich zu
einem bestimmten gesellschaftlichen Stand heraus.

Diese Epoche ist durch einen bedeutenden wirtschaftlichen und
kulturellen Aufschwung, durch die Entwicklung von Geldwirtschaft, Handel
und Gewerbe, durch das Beginnende Wachstum der Staedte gekennzeichnet.

Die Entwicklung des Ritterstandes foerderte den Drang nach Osten. Das
kam in den so genannten Kreuzzuegen zum Ausdruck.

Die Epoche der Kreuzzuege nach Palestina, sogenannte Ostkolonisation
(“Drang nach Osten”) erreicht in den Jahren 1150 bis 1350 ihren
Hoehepunkt. Auswanderer, besonders aus dem niederdeutschen, mittel- und
ostfraenkischen sowie aus dem bayrischen Raum besiedeln die slawischen
Gebiete oestlich der Fluesse Elbe und Salbe: Mecklenburg, Brandenburg,
Pommern, Schlesien. Die meisten slawischen Ortsnamen werden
eingedeutscht: Brandenburg (Бранний Бор), Leipzig (Липськ), Lausitz
(Лужиці), Pommern (Помор’я).

In der Geschichte der Ostexpansion spielten die deutschen Ritterorden
(“Deutscher Orden”, “Orden der Schwertbrueder”) eine besondere Rolle. Im
13. Jh. erobert der deutsche Orden auch Ostpreussen. (Weiterem Drang
dieses Ordens nach Osten wird 1410 durch die Schlacht bei Grundwald Halt
gebote). Im 14. Jh. findet die deutsche Sprache auch in Boehmen und
Maehren Verbreitung.

2. Die mittelhochdeutschen Territorialdialekte

In den besetzten Territorien entstanden neue Dialekte. Sie unterschieden
sich sehr stark von den althochdeutschen Dialekten. Sie entstanden
infolge der Integration der Dialekte (durch Mischungs- und
Verschmelzungsprozesse).

z.B. Waehrend der Norden und der Nordosten des besetzten Gebietes
vorwiegen aus dem Nordwesten des Altlandes (d.h. Niederdeutsch)
besiedelt wurden, weisen die ostmitteldeutschen Mundarten, neben
mittelhochdeutschen auch niederdeutsche und oberdeutsche Zuege auf, denn
an der Besiedlung dieses Gebietes waren Siedler aus verschiedenen Teilen
des Altlandes Beteiligt.

 

Man gliedert die mhd. Territorialdialekte ( fuer das XIII — XIV Jh.
folgenderweise :

I. Niederdeutsche Dialekte:

1. Niederfraenkisch

2. Niedersaechsisch

3. Ostniederdeutsch ( Meklenburgisch, Brandenburgisch ( Maerkisch ),
Pommersch,

Preussisch )

II. Mitteldeutsche Dialekte :

1. Rheinfraenkisch

2. Mittelfraenkisch : Moselfraenkisch, Ripuarisch

3. Hessisch

4. Ostmitteldeutsch : Meissnisch oder Obersaechsisch, Thueringisch,
Schlesisch.

III. Oberdeutsche Dialekte :

1. Schwaebisch — Alemannisch

2. Bairisch — Oesterreichisch

3. Suedfraenkisch

4. Ostfraenkisch

 

3. Sprachdenkmaeler des Mittelhochdeutschen.

Geistliche Literatur

“Annolied” Entstand um 1090 im Siegburger Benediktiner kloster.

Minnesang. In Deutschland entwickelte sich um die Mitte des 12.Jh.
durch Einfluesse franzoesischer Troubadourspoesie eine ritterliche
Lyrik, Minnesang (mhd. minne ‘Liebe’) genannt. Die Minnesanglyrik besang
weltliche Freuden, behauptete das Recht des Menschen auf Liebe und
Glueck im Gegensatz zur klerikalen Literatur. Man unterscheidet die
“niedere minne” und “hohe minne”. Die “niedere Minne” besang die Liebe
zu einfachem Maedchen . In den Lieder kommen ein Werben um eine
bestimmte Person, eine persoenliche Sehnsucht nach ihr und die Sorge um
ihren Verlust (Heinrich von Veldeke, Dietmar von Aist, der Ritter von
Kuerenberg). Das Lied der “hohen Minne” richtete sich an die “Herrin”,
an die verheiratete Frau, die meistens fuer den Autor unreichbar ist,
weil sie in der Gesellschaft eine hoehere Stellung als er nimmt. Der
Dichter preist die Schoenheit und hoefische Tugenden seiner Dame. Die
bekanntesten Saengern sind Heinrich von Morungen, Reinmar der Alte von
Hagenau, Friedrich von Hausen.

Walther von der Vogelweide (um 1170 — 1230) ist der groesste Lyriker der
mhd. Zeit. Walthers Nachlass ist vielseitig: lyrische Lieder,
Tagelieder, Kreuzlieder, Sprueche u.a. In seinen Gedichten versucht er
den Unterschied zwischen “hoher minne” und “niederer minne”
auszugleichen.

 

Volksepos. Dem Volksepos liegen germ. Sagen zugrunde; es ist aber dem
hoefischen Geist angepasst.

“Nibelungenlied” Die Dichtung gehoert zum Anfang des 13.Jh. Inhaltlich
reicht das Werk auf die Epoche der Voelkerwanderung zurueck. Hier sind
zwei Sagenkreise vereint, die altgerm. mythische Erzaehlung von Siegfrid
und Brunhild und historische Ereignisse aus urgerm. Zeit: der Untergang
der Burgunder und Attilas (Etzels) Tod. Der Dichter ist unbekannt.
Vielmehr stellt es das Werk vieler Generationen dar. Im ersten Teil des
Liedes wird der Tod des kuehnen Siegfrieds geschildert, im zweiten Teil
— die schreckliche Rache seiner Frau Kriemhilde an den Moerdern ihres
Gemahls.

 

Hoefisches Epos (Ritterroman). Das hoefische Epos schildert den Idealtyp
des tapferen, tugendhaften und massvollen Ritters. Als Vorlagen dienten
franzoesische Nachdichtungen der keltisch — britanischen Heldensagen von
Koenig Artus und seinen Maennern. Die bedeutendsten Epiker sind:
Begruender des dt. Hofromans Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue,
Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Strassburg.

Hartmann von Aue war der alemannische Dichter. Sein dichterisches
Schaffen faellt in die Zeit von 1170 bis etwa 1215. Seine beiden grossen
Epen “Erec” und “Iwein” schildern Artursritter im Konflikt zwischen Ehre
und minne ‘Liebe’. Die grosse Anerkennung verschaffte ihm das Epos “Der
arme Heinrich”.

Wolfram von Eschenbach entstammte einem ostfraenkischen ritterlichen
Geschlecht. Er gilt als der beste Menschenschilderer unter der mhd.
Dichtern. Sein Hauptwerk “Parzival” beschreibt eines einfaeltigen
Knaben, der seine ritterlichen Anlage zuerst nicht kennt, wurde spaeter
zum Ritter und schliesslich zum Gralskoenig. Seine epischen Dichtungen
“Titurel” und “Willehalm” blieben unvollendet.

Gottfried von Strassburg schrieb eine klare, klangvolle Sprache. Er war
buergerlicher Herkunft. Um 1210 schrieb er sein einzigen Roman “Tristan
und Isolde”. Der Werk blieb unvollendet. Der Dichter hat den Stoff
seiner franzoesischen Vorgaenger ueber die Liebe zwischen Tristan, dem
Neffe des Koenigs Marke von Kornwall, und Markes Gemahlin, der Koenigin
Isolde, benutzt.

4. Der Wortschatz des Mittelhochdeutschen.

Fuer den Wortschatz sind 2 entgegengesetzte Richtungen charakteristisch:

1.           Die weitere Vertiefung der mundartlichen Unterschiede unter
den Verhaeltnissen der feudalen Zersplitterung.

2.           Der Ausgleich der mundartlichen Differenzen, welche durch
den Verkehr zwischen den einzelnen Laendern ermoeglicht wird.

Die Besonderheiten in der Entwicklung des mittelhochdeutschen
Wortschatz:

1.                  Der Abfall einen gewissen Anzahl veraltender
Woerter. Die veraltende Woerter werden durch juengere Woerter
verdraengt.

z.b. ahd. tult ‘Kirchenfest‘ wird durch das ahd. fira, mhd. vire ‘Feier‘
und durch mhd. vest (‘Fest‘ — aus dem lat. Adj. festus) verdraengt.

Das ahd. kuninstuol ‘Koenigsstuhl‘ weicht im 13. Jh. dem aus dem
Franzoesischen entlehnten mhd. thron.

2.                  Der Bedeutungswandel.

Viele Woerter aenderten ihre Bedeutungen.

z.B. ahd. hel > mhd. hell zuerst bedeutet ‘toenend’, ‘hallend’; im Mhd.
auch ‘licht’, ‘glaenzend’.

ahd., mhd. hogezit ‘Fest’ im Mhd. wird auch in der Bedeutung ‘Hochzeit’

ahd. sero ‘schmezlich’ im Mhd. begann man dieses Wort zur Bezeichnung
der Intensivitaet zu gebrauchen.

3.                  Die Entwicklung der abstrakten Lexika.

Grosse Bedeutung fuer die Entwicklung der abstrakten Lexik durch
Abteilung, Zusammensetzung und durch die Bedeutungswandel hatten die
phisophischen Schriften der Mystiker im 12.-14. Jh.

begreifen, Eigenschaft, Verstaendnis, Eindruck, Einfluss. Zufall,
einleuchten, einstehen, eigentlich, gelassen, bildlich, Einbildend,
unaussprechlich, grundlos.

Die Mystiker bedienten sich den neuen Suffixen – heit, -nis, -ung.

4.                  Wortschatz der hoefischen Dichtung und des
Heldenepos.

Sehr viele Woerter wurden aus dem Franzoesischen entlehnt. Sie
widerspiegeln verschiedene Seiten des ritterlichen Lebens.

mhd. kastel ‘Turnier’, panzier ‘Panzer’, palas ‘Saalbau’, vloite
‘Floete’, turnei ‘Turnier‘.

Aus der Franzoesischen Sprache wird auch das Suffix –ieren entlehnt:
parlieren, buchstabieren.

5.                  Die Entwicklung der Berufslexik.

Mit der Entwicklung des Handels, der Gewerbe, kommen neue Woerter auf.

mnl. ware, mhd. ware ‘Gewahrsam’, mhd. stapel, fracht.

arzat (Arzt), antwerker (Handwerker), beker (Baecker)

bot, mazgenoze (Matrose)

Entlehnungen aus benachbarten Sprachen:

aus dem Italienischen — netto, bank, konto;

aus den slawischen Sprachen — graupe (tschech. kroupa), grenze (poln.
graniza), gurke (poln. ogorek), quark (poln. twarog)

aus dem Lateinischen — grammatic, arithmetica, musika, astronomie.

DAS PHONOLOGISCHE SYSTEM DES MITTELHOCHDEUTSCHEN.

1. Die Abschwaechung der Vokalphoneme.

Im Wurzelmorphem kommen im Mittelhochdeutschen verschiedene Vokale vor.
In den Nach- und Vorsilben haengt der Gebrauch der Vokalphoneme von der
Betonnung ab.

Die langen und kurzen Vokale (a, o, u, i, e, a, o, u, i, e) wurden in
unbetonnten Stellung zu [?] abgeschwaecht oder sie verschwanden
ueberhaupt.

a)        Abschwaechung der Vokale:

ahd. Taga > mhd. Tage

ahd gesti > geste

ahd krefti > krefte

ahd mahon > mahen

b)        Schwund der Vokale am Wortende oder in der Wortmitte:

ahd. Groziro > mhd. Gr?zer

herison > hersen (herrschen)

ginada > g(e)nade (Gnade)

Die Praefixe, wenn sie unbetont sind, weisen auch das abgeschwaechte e
auf:

z.B. ahd. virneman > mhd. vernemen

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Abschwaechung der Vokale
und dem Charakter der Wortbetonung. Die germanische Akzentverlagerung
auf die Stammsilbe beguenstigte eine verschiedenartige Entwicklung der
Vokale in betonten und unbetonten Silben und bildete die Voraussetzung
fuer die Abschwaechung der Vokale in unbetonten Silben.

Die unbetonte Stellung im Wort war eine der Voraussetzungen fuer den
Schwund der meisten stammbildenden Suffixe der Substantive:

z.B. germ. *daga? > ahd. Tag

2. Die weitere Entwicklung des Umlauts. Neue Vokalphoneme

(s. Primaerumlaut (ahd. Vokalismus)).

Umlaut erschien zuerst in der vorliterarischen Zeit im Norden. Und von
hier aus verbreitete er sich nach Sueden. Aber seine Kraft nimmt er mit
dem Vordringen nach Sueden an. Deshalb haben einige Woerter, die in die
deutsche Gegenwartssprache aus den sueddeutschen Dialekten uebernommen
wurden, keinen Umlaut: Rucksack, drucken.

Im Mittelhochdeutschen erschien in allen Faellen der Ausnahme (s. Der
althochdeutsche Vokalismus) der Umlaut. Diesen Umlaut bezeichnet man
Sekundaerumlaut (вторинний умлаут) zum Unterschied des Primaerumlauts
des Althochdeutschenn.

Der Sekundaerumlaut entwickelte sich sehr oft nach Analogie:

Ast — Aeste

Fuss — Fuesse

Und in vielen Faellen diente er zur Bezeichnung des Plurals der
Substantive. Entscheidend fuer die weitere Entwicklung des Umlauts war
die Abschwaechung der Vokalphoneme.

Die Abschwaechung der Vokalphoneme fuehrte dazu, dass die Endungen der
Woerter in vielen Faellen zusammenfielen:

ahd. sconi > mhd. sk?ne

scono > skone

 

3. P. Pl. Praet. waruen > waren

3. P. Pl. Konj. wari > waere

Infolge dieser Abschwaechung entstanden im Mittelhochdeutschen folgende
neue Vokalphoneme:

lange Vokale:

ahd. a > mhd. a oder ae

warun > waren

wari > waere

ahd. o > mhd. o oder ?

sconi > sk?ne

scono > skone

ahd. u > mhd. u oder iu/ui [y:]

kuning > kuinec

hut > huti

kurze Vokale:

ahd. o > mhd. o oder oe

hoh > hoh

hohiro > hoeher

ahd. u > mhd. u oder ue

sun > sun

suni > suen

Diphthonge:

ahd. ou > mhd. ou oder oeu

troum > troum

troumen > troeumen

ahd. uo > mhd. uo oder uee

wuohs > wuohs

(Konj) wuohse > wueechse

Der Umlaut kommt in den Wortveraenderungen und in der Wortbildung vor.

Die Wortveraenderung:

1)       als Kennzeichen des Plurals:

ahd. gast — Pl. gesti > mhd. gast — Pl. geste

2)       als Kennzeichen der Steigerungsform:

ahd. alt — eltiro — eltisto

mhd. alt — elter — eltest

3)       als Kennzeichen der 2. und 3. Person Sg. Praesens:

ahd. faran — 2. P. Sg. Praes. feris(t) — 3. P. Sg. Praes. ferit

mhd. faren — ferest — feret

4)       als Kennzeichen des Praeteritums Konjunktiv:

ahd. helfan — 1. S P. Sg. Praet. Konj. hulfi

mhd. helfen — huelfe

Warum? helfan — half — hulfum — giholfan

Die Wortbildung: Macht — maechtig; Kraft — kraeftig

 

3. Die Entwicklung neuer Konsonantenphonemen [ ? ] und [z].

Das Althochdeutsch besass kein [ ? ]. Die Buchstabengruppe sch
bezeichnet jetzt einen einfachen Laut. Die komplizierte Schreibung
erklaert sich dadurch, dass dieses Phonem aus der Verbindung sk im 13.
Jh. entwickelt hat. Man nimmt an, dass der Laut k zuerst dem
vorausgehenden s assimiliert wurde, um dann spaeter mit ihm zu
verschmelzen:

s + ch = sch

Dasselbe geschah in Englischen — got. skip > ship (Schiff).

Seit dem 13. Jh. wird s zu sch vor dem Konsonanten l, m, n, p, t, w:

ahd. sneo > mhd. sne > nhd. Schnee

ahd. swarz > mhd. swarz > nhd. schwarz

Das Phonem [ z] entstand aus dem Phonem [s]. Das Phonem wurde im
Wortanlaut und im Wortinlaut vor Vokalen stimmhaft:

ahd. sin, mhd. sin [s] > nhd. sein [z]

ahd. lesan, mhd. lesen [s] > nhd. lesen [z]

4. Auslautverhaertungsgesetz (закон оглушення дзвінкого приголосного в
кінці слова)

Es besteht darin, dass die stimmhaften Geraeuschlaute nur im Anlaut und
im Inlaut gebraucht werden. Im Auslaut werden sie durch die stimmlosen
Konsonanten ersetzt.

ahd. [tag] > mhd. [tac]

ahd. [lob] > [lop]

5. Die Veraenderungen im System einiger Vokalphoneme.

Neben der Entwicklung einiger neuen Vokalphoneme fand im
Mittelhochdeutschen der entgegengesetzte Vorgang statt, d.h. Schwund
alter Phoneme (einigen). Das geschah im Untersystem der Diphthonge.

Der Diphthong iu wurde zu einem langen Monophthong ue und somit
verschmilzt er mit dem entstehenden Umlaut von langem u.

Es war hiuten [iu] — wurde hiute [y:].

Wegen der Abschwaechung der unbetonten Vokale wurden Diphthonge io und
ia (Varianten eu) zu ie.

ahd. biotan > mhd. bieten

hior > hier

 

DAS MORPHOLOGISCHE STRUKTUR DES MITTELHOCHDEUTSCHEN (1)

DAS SUBSTANTIV

Das mittelhochdeutsche Substantiv behaelt die vom Althochdeutschen
vererbten Kategorien sowie deren morphologischen Ausdrucksmittel. Auch
die Einteilung der Substantive in vokalische und konsonantische
Deklination je nach dem Typ des stammbildenden Suffixes zwischen der
Wurzel und der Flexion bleibt bestehen, obwohl dieses Suffix sich nicht
mehr herausfordern laesst. Die Endsilbenvokale a, e, i, o, u werden zu
einem e [?] abgeschwaecht.

Die Kasusflexion der Substantive wird auf vier Endungen (-e, -es, -en,
–er) reduziert. Die Vereinfachung der Flexion ruft einen Ausgleich im
Deklinationssystem hervor. Die Deklination der Substantive richtet sich
nun immer mehr nach dem grammatischen Genus. Dafuer waechst die Rolle
der das Substantiv begleitenden Pronomen und Artikel.

Eine wichtige Neuerung in der Morphologie des mittelhochdeutschen
Substantivs ist der Schwund des Instrumentalis. Es wird durch
praepositionale Fuegungen mit durch, mit, von ersetzt.

DAS WERDEN DER STARKEN UND SCHWACHEN DEKLINATION DER SUBSTANTIVE

Bei den Maskulina und Neutra entwickelt sich bereits zu Beginn der
mittelhochdeutschen Sprachperiode eine Deklination aller ehemaligen
vokalischen Staemme. In ihr treten bereits deutlich die Kennzeichen der
heutigen starken Deklination hervor.

Maskulina

(alte a-St. i-St. ja-St. wa-St.)

Sg. N. tac gast hirt sne

G. tag-es gast-es hirt-es sne-wes

D. tag-e gast-e hirt-e sne-we

A. tac gast hirt sne

Pl. N. tag-e gast-e hirt-e sne-we

G. tag-e gast-e hirt-e sne-we

D. tag-en gast-en hirt-en sne-wen

A. tag-e gast-e hirt-e sne-we

Die Unterschiede zwischen den ehemaligen vokalischen Staemmen sind auf
wenige Resterscheinungen reduziert. Die e-, i-Staemme unterscheiden sich
von den a-St. nur durch den Umlaut im Plural.

Die ja-St. unterscheiden sich von den a-St. nur durch die Endung –e (< i) im N., Ak. Sg., wa-St. Bewahren noch ein eigentuemliches w. Neutra Zur starken Deklination gehoeren alle Neutra ausser vier Woerter: herz „Herz“, ore „Ohr“, wange „Wange“, ouge „Auge“. (alte a-St. ja-St. wa-St.) Sg. N. wort-e kuenn-e knie-e G. wort-es kuenn-es knie-wes D. wort-e kuenn-e knie-we A. wort-e kuenn-e knie-e Pl. N. wort-e kuenn-e knie-e G. wort-e kuenn-e knie-we D. wort-es kuenn-es knie-wes A. wort-e kuenn-e knie-e Die Neutra mit Pluralformen auf -er (kalp, lamp, huon) haben den Umlaut. Dieses Suffix wird bei der Pluralbildung sehr produktiv. Feminina (der ehemalige konsonantische Deklinationstyp) Die Herausbildung der mittelhochdeutschen femininen Deklination faellt erst in das 16./17. Jh. Im Mittelhochdeutschen bleiben die wichtigsten Unterschiede in der Flexion der Feminina erhalten. Ein Teil der Substantive gehoert noch zur n-Deklination. (alte i-St. o-St.) Sg. N kraft geb-e G. kreft-e geb-e D. kreft-e geb-e A. kreft geb-e Pl. N. kreft-e geb-e G. kraft geb-en D. kraft geb-en A. kraft geb-e Das Kennzeichen der i-St. ist der Umlaut im Plural und im G., D. Sg. Im G. und D. Sg. haben Substantive Parallelformen. Bei einigen o-St. Schwindet infolge der Abschwaechung unbetonter Vokale der Endvokal. ahd. geba > mhd. gebe

slahta > slahte

aber zala > zal

nadal > nadel

Die ehemalige konsonantische Deklinationstyp

Die Deklination der ehemaligen n-Staemme bildet die schwache
Deklination. Im Mittelhochdeutschen umfasst sie Maskulina, Feminina und
Neutra. Die Substantive dieses Deklinationstyps bewahren ihr ehemaliges
stammbildendes Suffix –n. Es erfuellt zusammen mit dem begleitenden
Vokal die Funktion der Kasusendung.

Feminina — zunge, katze, sunne

Neutra — herza, ore, wange, ouge

Maskulina — hane, brunne, sterne

Mask. Fem. Neutr.

Sg. N. han-e zung-e herz-e

G. han-en zung-en herz-en

D. han-en zung-en herz-en

A. han-en zung-en herz-e

Pl. N. han-en zung-en herz-en

G. han-en zung-en herz-en

D. han-en zung-en herz-en

A. han-en zung-en herz-en

Die weitere Entwicklung des Artikels

Seit Beginn der mittelhochdeutschen Zeit wird auch der unbestimmte
Artikel regelmaessig gebraucht. Auf diese Weise entsteht die Opposition
zwischen dem Substantiv mit dem bestimmten Artikel und dem Substantiv
mit dem unbestimmten Artikel. Sie praegt die grammatische Kategorie der
Bestimmtheit und Unbestimmtheit zu einer vollentwickelten Kategorie der
Substantive.

DAS ADJEKTIV

In der starken Deklination haben sich nominale (guot kint, guotes
kindes) und pronominale (guotes kint, guotem kint) Formen erhalten.
Kennzeichnend fuer das mittelhochdeutsche adjektivische Paradigma ist
die Abschwaechung der Endsilbenvokale.

ahd. guotaz > mhd. guotez

guota > guote

Die schwache Deklination unterscheidet sich von dem nhd. Zustand nur
durch die Formen des Ak. Sg. bei den Feminina.

z.B. mhd: die roten bluome — nhd. die rote Blume

Die Suffixe des Komparativs und des Superlativs bekommen die Klangform
–er, -est:

ahd. -ir > mhd. -er ahd. -ist > mhd. -est

-or -est

Der Umlaut von diesen Suffixen wird zum morphologischen Merkmal der 2.
und 3. Steigerungsstufen der Adjektive:

ahd. skoni — skon-ir-o — skon-ist-o

mhd. skoni — skon-er — skon-est

nhd. schoen — schoener — schoenest

ahd. lang — leng-ir-o — leng-ist-o

mhd. lang — leng-er — leng-est

nhd. lang — laeng-er — leng-est

Die suppletiven Steigerungsformen bleiben auch weiter erhalten:

guot — bezzer — best «gut»

uebel — wirser — wirsest «schlecht»

michel — mer(e) — meizt «gross»

lutzel — minner — minnest «klein»

DAS PRONOMEN

Die Deklination der Personalpronomen der 1. und 2. Person im
Mittelhochdeutschen ist der des Ahd-en identisch.

Die Deklination des Personalpronomen der 3. Person sieht folgendermassen
aus:

Mask. Neutr. Femin.

Sg. N. er es si, si, siu, sie

G. sin, es sin, es ir(e)

D. im(e) im(e) ir(e)

A. in es sie, si, si, siu

Pl. N. si, si siu sie

G. ir(e) ir(e) ir(e)

D. in in in

A. si, si siu sie

Demonstrativpronomen

Mask. Neutr. Femin.

Sg. N. der das diu

G. des des der(e)

D. dem(e) dem(e) der(e)

A. den das die

Pl. N. die diu die

G. der(e der(e) der(e

D. den den den

A. die diu die

 

 

DAS MORPHOLOGISCHE STRUKTUR DES MITTELHOCHDEUTSCHEN (2)

DAS VERB

Neuerungen im verbalen Paradigma

Das Paradigma des mittelhochdeutschen Verbs war im weitgehenden Umbau
begriffen. Die grammatischen Kategorien bekamen einen mehr normierten
und differenzierenden Ausdruck.

In dieser Periode entwickelten sich die analytischen Zeitformen Perfekt
und Plusquamperfekt. Die grammatische Kategorie des Futurs kommt immer
mehr in Gebrauch. Das System der verbalen Zeitformen wird durch die
sogenannten absoluten und relativen Zeiten ausgebaut. Es entwickelten
sich auch die Kategorie der Modi (vor allem) Konjunktiv.

Die Konjugation des mittelhochdeutschen Verbs ist im Vergleich zum ahd.
Sprachzustand mehr vereinheitlicht.

Starke Verben

Praesens Indikativ

Infinitiv: mhd. helfen faren stigen

Partizip Praes. mhd. hilfende farende stigende

Partizip Praet. mhd. geholfen gefaren gestigen

Praesens Praeterit

Sg. 1. hilf-e Pl. 1. helf-(e)n

2. hilf-(e)st 2. helf-(e)t

3. hilf-(e)t 3. helf-(e)nt

Im Mittelhochdeutschen wird der Themavokal zu e [?] abgeschwaecht. Auch
die Vokale der Personalendungen werden zu -e reduziert:

ahd. hilfu > mhd. hilfe

ahd. hulfum > mhd. hulfen

Zweisilbige Flexionen werden infolge der Abschwaechung unbetonter Vokale
einsilbig:

Praes. 1.P.Pl. ahd. far-a-mes > mhd. far-en

dion-o-mes > mhd. dienen

Die sieben ahd. Ablautsreihen nehmen im Mittelhochdeutschen folgende
Form an:

I. Ablautsreihe

1. ahd. grifan — greif — grifum — gigrifan

mhd. grifen — greif — grifen — gegrifen

2. ahd. zihan — zeh — zigum — gizigen

mhd. zihen — zech — zigen — gezigen

II. Ablautsreihe

1. ahd. liogan — loug — lugum — gilogan

mhd. liegen — louc — lugen — gelogen

2. ahd. giozan — goz — guzzum — gigozzan

mhd. giezen — goz — guzzen — gegozzen

III. Ablautsreihe

1. ahd. bintan — bant — buntum — gibuntan

mhd. binden — bant — bunden — gebunden

2. ahd. werfan — warf — wurfum — giworfan

mhd. werfen — warf — wurfen — geworfen

IV. Ablautsreihe

ahd. neman — nam — namum — ginoman

mhd. nemen — nam — namen — genomen

V. Ablautsreihe

ahd. geban — gab — gabum — gigeban

mhd. geben — gap — gaben — gageben

VI. Ablautsreihe

ahd. faran — fuor — fuorum — gifaran

mhd. faren — fuor — fuoren — gefaren

VII. Ablautsreihe

1. ahd. lazan — liaz — liazzum — gilazzan

mhd. — — — —

2. ahd. heizan — hiaz — hiazum — giheizan

mhd. heizen — hiez — hiezen — geheizen

3. ahd. loufan — liof — liofum — giloufan

mhd. loufen — lief — liefen — geloufen

Die vier Stammformen des starken Verbs zeigen, dass im
hochmittelalterischen Deutsch noch ein Vokalunterschied zwischen
Singular und Plural des Praeterits bestand.

Auch im Mittelhochdeutschen finden sich Spuren des grammatischen Wechsel
in der Flexion der starken Verben:

wesen — waren

Schwache Verben

Die ahd. Suffixe der schwachen Verben werden im Ahd. zu –e abgeschwaecht
und so existiert der morphologische Unterschied der frueheren drei
Klassen nicht mehr:

ahd. mhd.

1.      Klasse suochen suochen

2. Klasse dionon dienen

3. Klasse leben leben

Das praesentische Paradigma des schwachen Verbs entspricht im
allgemeinen dem des starken Verbs. Der Unterschied betrifft die
Imperativendung –e. Ausserdem gibt es hier keine Veraenderung des
Wurzenvokals.

Die Endung der 1. P,Sg –m (bei den schwachen Verben der 2. und 3.
Klasse) weist der typische Endung –e. Das Praeteritum wird mit dem
Dentalsuffix –te (nach Nasalen bzw. Liquida haeufig mit –de) gebiltet:

Sg. 1. suochte dienete lebete

2. suochtest dienetest lebetest

3. suochte dienete lebete

Pl. 1. suochten dieneten lebeten

2. suochtet dienetet lebetet

3. suochten dieneten lebeten

Unregelmaessige Verben

Praeterito-Praesentia. Diese Verben bewahren im Mittelhochdeutschen
folgende Formen:

Infinitiv Praesens Praeteritum Partizip II

wizzen weiz\wizzen wiste gewist

tugen «tauge, nuetze» touc\tugen tohte —

gunnen «goennen» gan\gunnen gunde gegunden

kunnen «wissen, verstehen kan\kunnen, kuennen kunde —

durfen «beduerfen» darf\durfen, duerfen dorfte bedorft

— «ich wage» tar\turren, tuerren torste

soln, scholn «verpflichtet sein» sal,sol\suln, sueln solte, solde

mugen, muegen «vermoegen» mac\mugen, muegen mahte, mohte —

mueezen «sollen, muessen» muoz\muozen, mueezen muoste

Bei den meisten Verben dieser Gruppe ist das Partizip II im
Mittelhochdeutschennicht belegt.

Sin (wesen). Das Paradigma des Praesens Indikativ:

Sg. 1. bin Pl. 1. birn, sin

2. bist 2. birt, sit

3. ist 3. sint

Die konjunktivischen Formen weisen keine bedeutenden Abweichungen vom
ahd. Zustand auf. Fuer das Praeterit werden die Formen des starken Verbs
wesen ausgenutzt (was — waren), der grammatische Wechsel s – r blebt
noch erhalten).

Gen (gehen), sten (stehen). Diese Verben behalten ihr ahd. Paradigma.
Nur in der 1. P.Sg. und Pl. haben sich als zweite Variante die Formen
gan, stan bereits eingebrueget. Die Praeteritalformen sind: gienc,
stuont (1. P.Sg.), giengen,stuonten (1.P.Pl.), also hier kommen die
Formen der starken Verben der 6. und der 7. Ablautsreihe stantan und
gangan zum Gebrauch. Partizip II lautet gegangen, gestanden.

Tuon „tun“

Sg. 1. tuon Pl. 1. tuon Sg. 1. tete Pl. 1. taten

2. tuost 2. tuot 2. taete 2. tatet

3. tuot 3. tuont 3. tete 3. taten

 

Bildung des Konjunktivs

Im Konjunktiv des mittelhochdeutschen Verbs faellt das reduzierte Suffix
des Praeterits (i > e) mit dem des Praeterits zusammen. Bei den starken
Verben bleibt sowohl im Praesens, als auch im Praeterit der Unterschied
zwischen den indikativischen und konjunktivischen Formen erhalten.

Indikativ Konjunktiv

Sg. 1. fare gibe far-e geb -e

2. fares gibest far-est geb -est

3. fare gibet far-e geb -e

Pl. 1. faren geben far-en geb -en

2. faret gebet far-et geb -et

3. faren gebent far-en geb -en

 

Im Bereich der schwachen Verben besteht der einzige Unterschied in der
Flexion der 3. P.Sg. im Praesens

Ind. er suochet Kon. er suoche

Alle uebrigen Formen fallen im Indikativ und Konjunktiv zusammen.

Der Imperativ der starken Verben hat in der 2. P.Sg. keine Flexion: die
schwachen Verben haben hier die Endung –e. Im Plural sind die Endungen
des Imperativs gleich denen des Praesens Indikativ.

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